Gedankenfetzen

Okay, das klingt vielleicht ein bisschen platt - stimmt aber:
Schon als Kind habe ich Gedichte geschrieben und mir Geschichten ausgedacht. Ich schrieb und schreibe gerne Karten und Briefe. In der Schule mochte ich das Fach Deutsch und das Verfassen von Erörterungen und Interpretationen lag mir. Ich studierte Germanistik und hatte kaum Schwierigkeiten beim Verfassen mehrseitiger Hausarbeiten. Ich schreibe Tagebuch, Postkarten, Listen. Ich verpacke Gedanken gern in schöne Worte und halte sie so fest.

Kurzum: Ich hab's nicht nur mit Kreativität, sondern auch mit Texten.


Hier möchte ich mir und euch einen Raum für meine GEDANKENFETZEN schaffen. Nach und nach, ohne Verbindlichkeit oder Regelmäßigkeit, möchte ich mit euch teilen, was mir durch den Kopf geht. Manchmal werden es längere Texte sein - mal ein Tagebuchtext, ein Brief, mal ein Bericht.
Manchmal gibt es aber vielleicht auch nur wenige Zeilen.

Ich freue mich. Du dich auch?

Das ist Glück. 

Sonne. Blauer Himmel.
Erst Fischbrötchen, dann Eis. Schwalbengezwitscher über uns.
Ab und an eine Möwe.
Warmer Sand - unter den Füßen, in den Händen.

Er und ich. Zeit. Ruhe.
Einfach da sein.

Das Meeresrauschen legt sich, sobald ich an den Spülsaum trete, wie ein beruhigender Mantel um mein Herz.

Alles in mir wird ruhiger.

Das ist Glück.

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[03.10.2023,
aufgeschrieben am 18.05.2023]

Von Tomaten, Zimties und einer verlorenen Freundschaft 

Es ist Sommer. Ich stehe barfuß in der Küche und schneide Tomaten fürs Abendbrot auf. Im Hintergrund läuft Musik.

Es beginnt ein Klavierstück - und mich überrollt eine Welle der Sehnsucht. Nach dir. Nach uns. Und Tränen steigen mir in die Augen, meine Brust wird eng.

Obwohl ich mir nur Tomaten schneide und nicht eine Schale der Zimties, die wir uns so oft bei nächtlichen Filmabenden ganz spät noch aus der Küche holten. Obwohl ich dieses Lied gar nicht mit dir verbinde. (Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt schon veröffentlicht war, als wir uns zuletzt sahen, hören.) Obwohl ich in dieser Küche, in dieser Wohnung stehe, in der du (noch) nie warst.
Obwohl. Weil.

Ich weine, weil ich dich vermisse und das, was wir hätten haben können. Was wir uns vor so vielen Jahren ausgemalt haben.

Ich wische die Tränen weg. Das Lied ist vorbei. Ich trete an die Arbeitsplatte und streue Gewürze über die Tomaten, bevor ich sie auf den Abendbrottisch stelle.

Und tief in meinem Herzen hoffe ich so sehr, dass es dir gut geht. Ich weiß, dass du deinen Weg gehst. Und vielleicht - kreuzen sich unsere Wege irgendwann noch einmal.

So wie es einst unsere Hände taten.

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[10.07.2023]

Der Frühling kommt, ich kann es fühlen.

Die Kälte ist noch einmal zurück, kriecht mir in den Nacken. Sie kneift in Hände, Nase, Füße.

Aber das Herz - das ist fest umklammert und bis zum Rand voll mit Sonne, die als Vorbote des Frühlings durch Fenster und Gardinenschlitze blitzt. Die ihre Strahlen wie Fühler ausstreckt und uns aufwärmt. Die einen Schalter umzulegen scheint - den Schalter für Lächeln und Leichtigkeit.

Plötzlich ist es morgens so hell, dass ich im Büro kein Licht mehr anmachen muss. Plötzlich entdeckt das an kahles Grau fast schon gewöhnte Auge grüne Spitzen und farbige Knospen, die zu erwachen bereit sind. Plötzlich wird die geweckte Erinnerung an das erste Eis im Sonnenschein ganz greifbare Vorfreude.

Der Frühling kommt, ich kann es fühlen.


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[28.02.2023]

Schnell musst du gar nicht.

Ja Moment, ich muss nur noch schnell diese eine E-Mail fertig schreiben.
Ich gehe noch schnell etwas einkaufen, dann können wir spielen.
Ich werde noch schnell den Termin absagen, dann ist das aus meinem Kopf.


Hast du schon einmal darauf geachtet, wie oft du das Wort schnell am Tag in den Mund nimmst?
Wie viel Raum es in deinem Wortschatz umfasst? Wie viele Dinge du mal schnell machen willst oder musst - oder denkst, tun zu müssen?

Ich gehe in der Pause schnell zum Briefkasten.
Kannst du dir das hier mal schnell durchlesen?
Nach dem Frühstück möchte ich noch schnell ein Foto von der Karte machen,
dann kannst du sie einstecken.


Schnell - musst du gar nicht. 


Versuche in der kommenden Woche einmal, dir bewusst zu machen, wie oft dir dieses kleine Wort, das mit seinen nur 7 Buchstaben eine starke Wirkung auf unser Handeln und Fühlen haben kann, eigentlich über die Lippen kommt. Versuche, dich zu unterbrechen, wenn es dir auffällt, und eine alternative Formulierung zu finden - und gleichzeitig, die Tätigkeit, die du gerade ausübst oder planst auszuüben einen Zacken langsamer und bewusster auszuführen. Es tut schon gut, sich selbst und auch seine Mitmenschen darauf aufmerksam zu machen und somit einen ersten Schritt dahin zu gehen, die Dinge, den Alltag, das Leben mit mehr Ruhe, Bedacht, Gelassenheit zu durchlaufen.

"Unser Leben wird reicher durch Langsamkeit."
(Anette Frankenberger)


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[21.01.2023]

Dezember. Zeit für Wunder.

Dezember. Zeit für Wunder.
Ich laufe durch die Stadt und trage eine Tüte voll Adventskalenderüberraschungen bei mir.
Es fängt an zu schneien und ich spüre die Freude in mir emporsteigen, wenn ich an das Gesicht denke, dem mein Besuch hoffentlich gleich strahlende Augen verleiht.

Dezember. Zeit für besondere Alltagsfreuden.
Die Bahn rauscht vorbei an unzähligen Fenstern, von Sternen und Bögen und Ketten beleuchtet.
Eine Frau sitzt strickend in der Tram. Mit jedem Öffnen der Türen strömt kalte Luft herein, werden kleine Schneeflocken auf Mützen und offenem Haar ins Warme getragen, wo sie wenig später nur noch nasse Spuren im Feierabendgetümmel sind.

Dezember. Zeit für - Zeit.
Es wird von Tag zu Tag zeitiger dunkel, heute wurde es gar nicht erst richtig hell. Ich bin seit 05.15 Uhr auf den Beinen und seit spätestens 14.30 Uhr bereit für die Couch. Ich wollte last minute-Adventseinkäufe erledigen, bevor ich zur letzten Chorprobe des Jahres eilen würde - stattdessen nehme ich mir die Zeit zum Zuhören, zum Erzählen, zum Umarmen. Ich nehme mir Zeit zum in die Augen schauen, zum Gemüter und Arme berühren. Zeit. Und eile mit leeren Taschen, aber umso vollerem Herzen zum Chor.

Dezember. Und ich wünsche dir kleine Wunder jeden Tag.

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[01.12.2022]

Bleib noch, Herbst!

Mit jedem fallenden Laubblatt tauche ich mehr ein in herbstliche Gemütlichkeit.

Es ist der letzte Oktobertag, die Zeitumstellung liegt schon hinter uns und die Sonnenstunden werden merklich weniger und kürzer. Auf einmal ist die Zahl der verbleibenden Wochen des Jahres sehr überschaubar und mir wird schon jetzt schwummrig bei dem Gedanken daran, mit welcher Geschwindigkeit sie vergehen werden - und welche Fülle an (selbst auferlegten) Aufgaben und Vorhaben damit einhergehen.
Und mir wird schon jetzt ganz warm ums Herz bei dem Gedanken an Lichterglanz, Tannenzweige gespickt mit roten Beeren, an Gebäck, Fruchtpunsch und Weihnachtslieder.

Aber noch bin ich nicht so weit. Noch - ist Herbst.
Und mit jedem fallenden Laubblatt tauche ich noch mehr ein in herbstliche Gemütlichkeit.

Wie schmal ist doch das Fenster, durch das der Herbst schauen kann: Erst verstößt man ihn, möchte ihn nicht an sich heranlassen, weil man die Sommertage mit all ihren Sommernachtsträumen nicht loslassen kann. Dann kann er plötzlich nicht schnell genug Platz machen für die Vorweihnachtszeit mit ihren verlockenden Naschereien und strahlenden Lichtern.

Lasst uns das Fenster noch einmal weit aufmachen, ein paar Tage und Wochen noch.

Lasst uns mit den Füßen durch Herbstlaub rascheln, lasst uns Kastanien und Eicheln sammeln und Eichhörnchen bei ihrer Jagd durch kahler werdende Baumkronen beobachten. Lasst uns Kürbissuppe kochen und Apfelkuchen backen. Lasst uns in Wollpullis durch die Herbstsonne laufen und uns an Regentagen in Gummistiefeln und Regenjacke mit der Natur freuen. Lasst uns Girlanden aus Blättern basteln, Laubhaufen für Igel bauen und Hagebuttenzweige zu Türkränzen flechten.

"Ich schaue auf die welken Blätter auf dem Boden. [...] Irgendwann hingen diese Blätter an einem Baum,
der sich jetzt auf den Winter vorbereitet."  (Paulo Coelho: Untreue)

Bald schon - wenn ich den Herbst noch einmal so richtig sehe, fühle, in mich aufnehme - dann bin auch ich bereit, mich auf den Winter vorzubereiten und einzutauchen in die warme Gemütlichkeit der Adventszeit.

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[31.10.2022]

Erwartungen an (m)ein Wochenende

Kennst du das?
Du hast eine Liste oder eher einen chaotisch gekritzelten Zettel, vielleicht aber auch nur durcheinander und willkürlich aufploppende Gedanken in deinem Kopf an all das, was du am besten schon gestern erledigen wolltest oder musstest. Dinge, die längst überfällig, bis zum Tag X auf jeden Fall zu machen, dir für diesen einen Menschen so wichtig sind. Wie in Dauerschleife denkst du daran und darüber nach, wann du wohl die Zeit dafür findest. Und dann kommen da zwei Tage Wochenende auf dich zu, verlockend und hell leuchtend, die du noch nicht verplant hast und gerade deswegen bis zum Rand gefüllt sind mit Erwartungen und Hoffnungen.

Kennst du das?
Eine leise, aber bestimmte Stimme flüstert dir immer wieder zu, wie unwahrscheinlich es ist, dass du entspannt und zufrieden durch dieses Wochenende kommst, weil es eben einfach Quatsch ist, alle diese Erwartungen erfüllt zu bekommen - und trotzdem bist du voll Motivation, Elan und ganz guter Dinge, das alles anzugehen und ohne große Mühe in deine 48 Stunden Wochenende zu packen.

Und dann sagt dir dein Körper: Moooooment mal, Schrittgeschwindigkeit und dann auf den Standstreifen, bitte!, und wirft die Punkte deiner Liste gehörig über den Haufen. Da liegst du nun auf dem Sofa und trauerst noch für eine Weile deinen Plänen hinterher - und merkst schon beim Schließen deiner Augen, dass das gerade das Einzige ist, was du kannst und möchtest.

Und so erkennst du (einmal mehr), dass du deine Energie einteilen musst und vor allem regelmäßig dafür zu sorgen hast, dass die Reserven gefüllt werden. Es ist ein ewiges Lernen und Verinnerlichen, dass Pläne eigentlich ganz schön oft nicht aufgehen und du Prioritäten setzen musst. Fühle dich nicht vor anderen und vor allem nicht vor dir selbst schlecht. Sei dir sicher, dass du dich am Ende meist fast automatisch dafür entscheidest, was dir am wichtigsten ist, was dir gut tut. Oder: wofür deine Energie eben gerade ausreicht!

Du hast nicht gekocht, dafür aber gelesen. Du hast nicht ausgemistet, dafür aber gekuschelt. Du hast nicht gebastelt, dafür bist du spazieren gegangen.

Erinnere dich neben allen Pflichten und Möglichkeiten vor allem auch immer wieder daran, dass
"man ja auch noch Zeit haben [muss], einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen."  (Astrid Lindgren)

Und das kann sich ziemlich gut anfühlen.
Probieren wir's mal aus?

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[18.09.2022]

Von rieselnden Perlen und geballter Motivation

Ein zartes Rieseln war zu vernehmen, als sich die kleinen Perlen des Armbands, welches seit mehr als eineinhalb Monaten ohne Unterbrechung mein rechtes Handgelenk zierte, im schummrigen Sonntagabendlicht auf den Wohnzimmerboden verteilten. Der Gummi - wie aus dem Nichts zerrissen. Ungläubig und traurig rutschte ich auf Knien über die Dielen und versuchte, die Überbleibsel zusammenzusuchen. Nicht nur Perlen waren da bis vor wenigen Minuten noch verknüpft - vielmehr verbanden sich mit ihnen Erinnerungen an geballte zwei Tage inspirierenden und kreativen Austauschs. "Ist das jetzt ein schlechtes Zeichen für meine kreativen Vorhaben? War es das jetzt mit dem You Go Girl?", meldete sich sofort die zum Aberglauben neigende Stimme in meinem Kopf. "Ich muss unter die Perlenfädler:innen gehen und das Armband schnell reparieren - nur so kann ich die positive Kraft aufrechterhalten!"

"Vielleicht ein Zeichen, dass du's nicht mehr brauchst.",

schrieb Melli nur wenige Minuten nach dem Hochladen meiner nun fast schon nächtlichen Instagram-Story.

Pow! Dieser Satz hat das Passierte völlig neu beleuchtet. Wie recht sie hat! Sofort dachte ich an den Brauch, sich ein Wunscharmband ums Handgelenk zu knüpfen - verliert man das Band, geht der Wunsch in Erfüllung. Warum sollte es hierbei anders sein?

Mit diesem neuen, so erfrischenden Blick auf meinen zerrissenen Armschmuck wurde der Klang der rieselnden Perlen leiser und vom Rauschen der Welle an Motivation übertönt, in deren Schaumkrone ich ein klares
You Go Girl - jetzt erst recht! lesen konnte, denn:

"Es ist nicht wichtig, was du betrachtest, sondern was du siehst." - Henry David Thoreau
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[13.09.2022]